Kein Mensch kann dem Anderen wirklich nah sein

und doch...

OBSERVATION II

Versuche der Annäherung

OBSERVATIONII

Distanz & Nähe. Drei Werke zum Thema



Oktophoner Klangraum und
stereoskope Multiscreen Installation

OBSERVATION II
come closer


raumaufspannende 3D Klang- und Videoinstallation an der Schnittstelle zwischen Medienkunst und Tanz.

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Acht kreisförmig angeordnete Lautsprecher beschreiben den rund 10 Meter durchmessenden, abgedunkelten, Installationsinnenraum, der einseitig von drei räumlich gestaffelten Projektionsflächen begrenzt wird.

Bis zu vier Besucher können sich gleichzeitig frei im Installationsinnenraum bewegen.

* * *

Raumkomposition

Räumliche Klang- und Videoaufnahmen (S3D Videoaufnahmen und Mehrkanalmikrofonie) von zwei Tänzerinnen und drei Türelementen bilden das Ausgangsmaterial dieser audio-visuellen Raumkomposition.

Die immersive Qualität der klanglichen Arbeit wurde durch ein achtkanaliges Arrangement realisiert, für das die Lautsprecher im klassischen Kreisformat angeordnet sind. Auf der Bildebene wird die räumliche Darstellung von Position, Skalierung, Bewegung durch Stereoskope Videotechnologie ermöglicht.

Räumlich gestaffelte Videoprojektionsflächen erweitern die virtuelle Raumtiefe um die (jeweilige) Entfernung von Betrachtern zur Leinwand und geben den Blick frei auf den (leicht illuminierten) Raum hinter den Leinwänden.

"realer" und Virtueller Raum

Der Ort der Installation und der dahinter liegende Raums bleiben konstant sichtbar. Gleichzeitig simuliert die verwendete Technik weitere (akustische & visuelle) Räume und verortet dort die Körper von Tänzerinnen und Türen.

Beide Orte - der Besucherraum und der virtuelle Raum - gehen eine Verbindung ein. Sie ergänzen und erweitern einander, aber sie blenden sich nicht gegenseitig aus.

Atmosphäre der Anwesenheit


Der Zugang der Arbeit zum Thema „Distanz und Nähe“ ist ein Sinnlicher.
Atmosphärisch verdichtet und einer Fuge ähnlicher als klassische Narrationen.

Körper sind anwesend, sie sind weit entfernt
oder - in räumlichen Close-ups (Bild) - nah,
oder - noch näher und unmittelbarer - als Klang des Atems.

Was hierbei entsteht, ist eine „Atmosphäre der Anwesenheit von Körpern“.

Virtuelle Raumkomposition - Bildebene

Stilmittel der visuellen Komposition sind Rhythmik, Repetition und die spatiale Positionierung von virtuellen Körpern.

Die Leere, in der eine wüstenähnliche (zweidimensionale) Landschaft vorbeizieht, umfasst alle drei Leinwände. Nahaufnahmen von ineinanderverschlungenen Körpern wirken, als wären sie Teil dieser Landschaft. Abgelöst wird die Leere durch räumlich-plastische Bilder von Tänzerinnen, Türen und ihrer Interaktion.

Relevant für die zunehmend greifbar werdende, räumliche Präsenz der Figuren, sind die gewählten Kamera-Einstellungsgrößen in Verbindung mit einem, mehr oder weniger stark, verräumlichte Bild. Hinzu kommt die „Vervielfältigung von Körpern“, die durch die zeitgleiche Wiedergabe auf drei Projektionsflächen erzeugt wird.

Virtuelle Raumkomposition - Klangebene

Für die Dimension der Arbeit wurde insbesondere der Fokus auf die Möglichkeiten der akustischen Repräsentation von Körperlichkeit und Räumlichkeit (Distanz und Nähe), sowie der psychomotorischen Eigenheiten der Figuren gelegt.

Zentral für die Komposition sind somit die Geräusche der Körper selbst, die durch eine aufwendige Mikrofonierung (16 Kontaktmikrofone, omnidirektionale Mikrofone im Raum) abgenommen wurden und die es ermöglichte, die Interaktion der Körper in ihrer Unmittelbarkeit akustisch herauszustellen.

Virtuelle Raumkomposition - Klang, Bild, Raum

Durch das kompositorische Wechselspiel aus Klangverräumlichung und stereoskoper Videoprojektion wird der Besucher in die Lage versetzt, inhaltliche Elemente auf unterschiedlichen Ebenen zu fokussieren und zueinander ins Verhältnis zu setzen.

Beispiele für das kompositorische Wechselspiel:
- Ein durch die räumliche Videoprojektion in Distanz wahrgenommener Körper steht im Gegensatz zu den körpernahen Klängen, die in den Raum projiziert werden.
- Der weite Echoraum eines geschlagenen Türobjekts tritt in Spannung zu den drei unterschiedlich distanzierten Betrachtungen der Szene des Schlags auf der Bildebene.

Im Zusammenspiel aus räumlichem Klang und Video entsteht so ein Ort, der den Raum der tänzerischen Erforschung von Distanz und Nähe sinnlich erfahrbar macht und es Besuchern ermöglicht, Bezüge zur eigenen physischen Positionierung herzustellen und diese ins Verhältnis zu der anderer Besucher zu setzen.

Sequence of "OBSERVATION II - come Closer" from Yvette Pistor on Vimeo.

Sequence of a space-spanning 3D sound and video installation that hovers at the interface between media art and dance. This black/white Anaglyph Version (red/cyan) is for demonstration purpose. The original work is based on octophonic soundspace and stereoscopic multiscreen installation (color & top/bottom) of Yvette Pistor, Christian Berkes and Paul Modler.

Die Installation ist der Ort, an dem Erfahrungen von Distanz und Nähe auf Raumwahrnehmung übertragen werden.

Anwesenheit

Alles ist anwesend - am gleichen Ort, zur gleichen Zeit. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich hierbei um virtuelle oder „reale“ Räume und Menschen handelt. Denn letztlich verdankt alles „Anwesende“ seine Existenz dem Engagement unserer Sinne. Das gilt auch - und zuerst - für unsere eigene Anwesenheit.

In diesem Sinne versteht sich OBSERVATION II come closer als eine Einladung, der eigenen Anwesenheit nachzuspüren um dabei - vielleicht - die „Anwesenheit des tatsächlich Anderen“ zu erahnen.

OBSERVATIONII
come closer

by Yvette Pistor

Christian Berkes > sound composition & Spatialisation of sound

dance: Daniela Näger & Romina Becker
soundengineering and supervision soundrecording: Paul Modler
multichannel Soundrecording: Zaza Barisch
S3D camera and costume-design: Marcela Snaselova
production assistance and second video edition: Vanessa Berghof

Sound composition for the octophone Soundspace: Christian Berkes
concept, setdesign, choreographie, video edition: Yvette Pistor

workshop metal & wood, support: Matthias Mai, Susanne Schmitt
postproduction support: Malte Paetsch & Jonas Piroth
Fotografie: Zaza Barisch

 

Nah und Fern

Tanzperformance und S3D Live Streaming.
Beyond 3D Festival 2011, Eröffnungsveranstaltung
Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe.

Im Zusammenspiel aus Bild und Klang unterläuft die audio- visuelle Raumkomposition bewußt Rezeptionserfahrungen des Besuchers. Sehr nah und im nächsten Moment sehr weit entfernt erscheinen die Körper der Tänzerinnen. Viel zu intim ist hier möglicherweise der Klang eines, ganz nah am Ohr, raschelnden Kleidungsstücks - verwirrend angesichts des Blicks in die Tiefe des kurzfristig leeren Raums der Projektion.

Impressionen vom 27.05.2011,
Beyond 3D Festival 2011
ZKM & HfG Karlsruhe

Fotografie: Ilda Kim

OBSERVATION II work in progress
Tanzperformance und S3D Live Streaming in das ZKM Medientheater,
Beyondfestival am 27.05.2011, Karlsruhe 2011

OBSERVATION II - Proben & Dreharbeiten:
Tanz: Daniela Näger & Romina Becker
Inszenierung / Szenenbild: Yvette Pistor
Kamera und Kostümbild: Marcela Snaselova
Soundengineering und Aufnahmekonzept gr. Studio: Paul Modler
Soundaufnahme / Mikrophonie: Zaza Barisch

Studioleitung: Sebastian Schäfer
Beleuchtung: Thorsten Schwanninger
Betreuung Holz- und Metallwerkstatt: Matthias Mai

3D - Festival BEYOND Kooperationsteam (Firma INVISTRA):
Bildregie: Karlheinz Gelhardt
3D-Bild Übertragungstechnik: Andreas Baumgardt
Kamera 2: Michael Gsell
Kamera 3: Jonas Gelhardt
Assistenz Bildregie, Aufnahmeleitung: Vanessa Berghof

OBSERVATION II Trailer (Anaglyph Version)
Video Editing: Yvette Pistor
Music: Bosques de mi Mente / Track: "Paseo 3, Otono"
duration: 3:39 min.

TEAM OBSERVATION II (Rehearsal & Filming)
DANCE: DANIELA NÄGER & ROMINA BECKER
SOUNDENGINEERING AND SUPERVISION SOUNDRECORDING: PAUL MODLER
MULTICHANNEL SOUNDRECORDING: ZAZA BARISCH
S3D CAMERA AND COSTUME-DESIGN: MARCELA SNASELOVA
PRODUCTION ASSISTANCE AND SECOND VIDEO EDITION: VANESSA BERGHOF
Directed and Produced by: YVETTE PISTOR

The first part of this trailer is based on the music theme "Paseo 3" Otono by Bosques de mi Mente (http://www.bosquesdemimente.com).